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Bad Soden 29.05.2017

Bad Soden, Kriegerdenkmal „Sterbender Soldat“ am 29. Mai 2017

Kriegerdenkmal in Bad Soden-Salmünster, Ortsteil Bad Soden. Die Skulptur wurde von Anton Grauel geschaffen und 1930 aufgestellt.

Auf den ersten Blick faszinierte mich die Ästhetik, die eher an Hochglanzprospekte aus den 90er Jahren denn an die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts erinnern lässt. Auf der anderen Seite banalisiert die Darstellung. Wenn der offizielle Titel nicht wäre könnte man auch denken, dass sich ein junger Soldat schlafen legt. Ein gleichmäßiges und ruhiges Gesicht, das Melancholie, aber keinen Schmerz ausdrückt. Auch ist keine Wunde sichtbar und man fragt sich, an welcher Verletzung der Soldat stirbt. So schön kann Sterben auf dem Schlachtfeld sein.

Bei Wikipedia habe ich keinen Eintrag zum Künstler gefunden. Er wurde am 25.01.1897 in Bad Soden geboren, lernte in Fulda den Bildhauerberuf und war von 1922 bis 1930 Schüler bei Professor Richard Scheibe in der Städelschule Frankfurt. 1931 ging er nach Berlin, wo er 1938 den Kunstpreis der Stadt für ein Triptychon „Gerechtigkeit, Tapferkeit, Friede“ erhielt. Das Triptychon war eine Auftragsarbeit für das Reichsluftfahrtministerium. Adolf Hitler erwarb die Skulptur „Sieger“ für seine Neue Reichskanzler. 1944 ging Grauel nach Jossa in der Nähe von Bad Soden und wanderte 1951 in die USA aus. Dort starb er 1971. Die Bedeutung Grauels wird durchaus kontrovers diskutiert. Dabei wird ihm seine Nähe zum Nationalsozialismus vorgeworfen. Seine Verteidiger (voran seine Tochter) weisen darauf hin, dass Grauel ein gläubiger Katholik gewesen sei, dass ihre Telefone überwacht worden und sie mit Menschen befreundet gewesen seien, die definitiv keine Nazi-Freunde waren. Anton Grauel sei einfach nur ein Künstler gewesen. (Quellen: Fuldaer Zeitung, Zugriff am 30.5.2017 und Kommentare auf GNZ Gelnhäuser Neue Zeitung, Zugriff am 30.5.2017.)

Eine einfache Bilder-Suche zeigt auf den ersten Blick, wie sich die Ästhetik der Skulpturen von Grauel verändert haben: Von geradezu zarten bis androgynen Darstellungen zu muskelbetonten Figuren mit markanten Gesichtern. Man vergleiche die Skulptur „Jungmann“ von 1930 mit der Darstellung der Tapferkeit im erwähnten Triptychon. Auf der anderen Seite ist die Skulptur „Der sterbende Soldat“ von ganz anderer Ästhetik als die Skulptur von Georg Kolbe für das Ehrenmal von Stralsund aus dem Jahr 1935. Dabei gilt Kolbe als entlastet… Der Zeitgeist ist mit Händen zu greifen – und der war in Deutschland nationalsozialistisch. Dabei bleibt es dem Betrachter oder der Betrachterin frei, den sterbenden Soldaten schön oder gar anrührend zu finden.

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