Predigten

In Jesus erkennen wir Gott und uns Menschen

Predigt in der Heiligen Messe am 4. Fastensonntag 2018

Liebe Schwestern und Brüder,

glauben sie an Gott? Eine dumme Fragen, werden sie vielleicht denken. Wer zur Kirche geht, der wird doch an Gott glauben. Wenn sie auf die Straße gehen oder in ihrem Bekanntenkreis fragen „Glauben sie an Gott?“, dann werden die meisten wohl antworten: „Na ja, irgendetwas Höheres wird es wohl geben.“ Wenn sie dann weiter fragen und wissen wollen, an was sie denn genau glauben, dann wird es vermutlich komplizierter. Gott wird dann zu einer Art Überraschungspaket, in das man alles hineinlegen kann, was man sich so wünscht.

Doch für die Frage nach Gott gibt es ja noch die großen Religionen. Das Judentum, das Christentum und den Islam. Dann gibt es den Buddhismus, wobei ich mir nicht so sicher bin, ob es dort so etwas wie Gott überhaupt gibt. Dann gibt es da noch die Naturreligionen Afrikas und Südamerikas. Wenn man dann noch genauer hinschaut, dann werden die vielen Unterschiede im Detail innerhalb der Religionen auffallen. Allein im Christentum gibt es und gab es so viele verschiedene Vorstellungen. Da wäre die Vorstellung von einem strafenden Gott, der jede kleine Missetat genau aufschreibt und Vergeltung dafür haben will. Manche verkünden den absolut barmherzigen Gott, der alles vergibt und bei dem man am Ende tun und lassen kann, was man will. Es gibt im Christentum die Vorstellung vom allmächtigen Gott, der die Fäden in der Hand hält und Naturkatastrophen, Unfälle und Krankheiten schickt und der das Leben vorherbestimmt. Andere beschreiben einen ohnmächtigen Gott, der gar nichts machen kann und der als Beobachter aus der Ferne zuschaut, was wir hier auf der Erde so treiben.

Als Jugendlicher, als junger Mensch, der sich auf die Firmung vorbereitet, ist das nicht immer einfach zu durchschauen. Um welchen Gott geht es denn nun? Wer hat recht, wie ist denn Gott wirklich?

Wenn junge Leute heute zum Beispiel etwas über Kaiserpinguine wissen wollen, dann fragen sie Google. Oder sie gehen in den Zoo. Manche sind ganz hartnäckig und studieren Zoologie und fahren zum Südpol und beobachten die Tiere dort. Mit Gott ist das schon komplizierter. Bei Google sind die Suchergebnisse unüberschaubar. Im Zoo habe ich einen Gott noch nie gesehen. Wo soll man eigentlich hinfahren, um Gott zu beobachten?

Wir Christen haben jedoch einen Anhaltspunkt, wenn wir nach Gott fragen. Dieser Anhaltspunkt heißt Jesus. Einfach Jesus, ohne Nachnamen. Nachnamen sind dazu da, um zu unterscheiden. Peter ist zum Beispiel ein häufiger Name. Um jetzt die vielen verschiedenen Peters zu unterscheiden, hätte man früher gesagt: Peter aus dem grünen Wald. Dann weiß man, wer gemeint ist. Daraus ist dann Peter Grunwaldt geworden. Zur Zeit Jesu gab es viele Menschen, die Jesus hießen. Also sagte man: der Jesus aus Nazareth. Dann wusste man, wer gemeint ist.

Wir sagen jedoch Jesus Christus. Christus ist nun aber kein Nachname, sondern ein Titel. Wie Kaplan oder Doktor oder Bundeskanzlerin. Eigentlich müsste das bei Jesus vollständig heißen: Jesus aus Nazareth, der Christus. Bundeskanzlerin, Doktor, Kaplan – da weiß man ja noch halbwegs, was das ist. Doch was ist ein Christus?

Jesus sprach aramäisch, so wie die meisten Menschen in Israel und Judäa in seiner Zeit. Christus ist die lateinische Form des griechischen Wortes Christos. Das ist nun wieder die griechische Übersetzung des aramäischen Wortes Meschiah was so viel bedeutet wie „Gesalbter Gottes“ oder einfach „Retter“. Also muss der Name heißen: Jesus aus Nazareth, der Meschiah, der Christos, der Christus, der gesalbte Gottes, der von Gott versprochene Retter. Wenn wir heute sagen: „Ich glaube an Jesus Christus“, dann heißt das: Ich glaube an Jesus aus Nazareth, dem von Gott gesandten Messias, den Christus, den Retter.

Wenn wir jetzt nicht nach Kaiserpinguinen, sondern nach Gott fragen, dann fahren wir nicht in den Zoo oder zum Südpol. Dann schauen wir in die Bibel und dort auf Jesus Christus. Dann schauen wir in die Welt, so wie sie wirklich ist. Dann schauen wir darauf, wie unsere Mütter und Väter im Glauben Jesus und die Welt verstanden haben. Dann bringen wir diese drei Blickrichtungen zusammen: die Bibel, die Welt und unsere Glaubensgeschichte. Keine dieser drei Blickrichtungen hat für sich allein die Wahrheit. Am Ende ist Jesus der Maßstab.

Wir Christen sagen, dass Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Das heißt: An Jesus erkennen wir Gott. So wie Jesus ist, so ist Gott. Denken sie an das Gleichnis vom barmherzigen Vater, der den davongelaufenen nichtsnutzigen Sohn wieder aufnimmt. Oder an das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, in dem ausgerechnet ein gottloser Samariter dem ausgeplünderten Mann am Straßenrand hilft. An Jesus erkennen wir aber auch uns Menschen. Wir erkennen, wie wir als Menschen sein können. So wie Jesus sich voll und ganz auf Gott verlassen hat, so wie Jesus barmherzig mit seinen Mitmenschen umgegangen ist, so sollen und so können auch wir uns voll und ganz auf Gott verlassen und so sollen und so können auch wir barmherzig miteinander umgehen.

Am letzten Sonntag haben wir von den zehn Geboten gehört. Das erste Gebot lautet: Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Wir haben darüber nachgedacht, was es bedeutet, einen Gott zu haben. Alles, was wirklich wichtig ist in deinem Leben, das, was an erster Stelle steht, wenn du eine Entscheidung zu treffen hast, das ist dein Gott. Gott soll an erster Stelle stehen. An Jesus sehen wir: Wenn Gott an erster Stelle steht, dann sind wir wahre Menschen.

[Die Predigt habe ich am 10.3.2018 im Rahmen einer Heiligen Messe in der Pfarrkirche Herz Jesu in Haren-Altharen und am 11.03.2018 im Rahmen einer Heiligen Messe in der Pfarrkirche St. Marien in Haren-Tinnen und in der Pfarrkirche St. Clemens Haren-Wesuwe gehalten. Für die Predigt hatte ich mir Stichworte notiert. Die hier nachträglich geschriebene Lesefassung der Predigt kann daher vom gesprochenen Wort der Predigt abweichen.]

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