Alte Kameras gut genug?

Der Markt für Kameras ist derzeit in einem gewaltigen Umbruch. Die Gattung der preiswerten Kameras stirbt nahezu aus. Das Smartphone hat sie verdrängt. Es gibt Nischen und Grautöne. Doch der Trend der großen drei (Canon, Nikon, Sony) geht zu (teuren) Systemkameras mit Vollformat-Sensor. Nach der Investition in die Kamera selbst kommt irgendwann die Investition in Objektive. Ein teures Hobby.

Die Veränderungen führen dazu, dass auf dem Gebrauchtmarkt preiswerte Kamera-Modelle angeboten werden. Wenn ich Profi bin, dann weiß ich, worauf ich mich einlasse. Doch für einen Anfänger sind die technischen Details verwirrend. Worauf soll ich achten?

Mit allen digitalen Kameras mit mindestens 6 Megapixel Auflösung ab etwa 2006 kann man lernen, zu fotografieren. Die moderneren Kameras haben technische Vorteile (mehr Auflösung, höhere ISO-Werte, technische Hilfsmittel), doch die Grundaufgabe der Fotografie bleibt gleich und lässt sich auch mit älteren Kameras lösen: Ein Bild sehen und durch die Lösung des magischen Dreiecks der Fotografie dieses Bild auf den Sensor bannen. Es geht am Ende um die richtige Kombination aus ISO-Wert, Belichtungszeit und Blende. Jede Kamera, bei der man diese Dinge einstellen kann, ist eine gute Kamera, um das Fotografieren zu lernen.

Je höher der ISO-Wert, desto stärker ist das sog. Bildrauschen. Moderne Kameras erlauben höhere ISO-Werte mit geringem oder akzeptablem Bildrauschen. Je höher der ISO-Wert, desto kürzer die Belichtungszeit und umgekehrt. Bei älteren Kameras kann es passieren, dass ein ISO-Wert ohne Bildrauschen zu Belichtungszeiten führt, die man nicht mehr aus der Hand ruhig halten kann. Man braucht dann ein Stativ.

Es gibt spezielle fotografische Techniken (Stacking, HDR), die mit modernen Kameras überhaupt erst wirklich umgesetzt werden können. Doch damit man das kann, braucht es neben der Technik eine gehörige Erfahrung in der Fotografie. Technik allein hilft nicht.

Moderne Kameras haben verschiedene Hilfsmittel wie spezielle Modi für den Auto-Fokus oder Bildstabilisierung, ein dreh- und schwenkbares Display usw. Das sind hilfreiche Funktionen. Generationen von Fotografen haben hervorragende Bilder ohne sie gemacht. Umgekehrt: Noch so ausgefeilte Technik allein macht noch keine schönen Bilder. Die schönen Bilder muss man erst einmal sehen und dann wissen, mit welcher Technik ist sie auf den Sensor bekomme. Auf meinen Reisen habe ich sie immer wieder erlebt: Die Menschen, die glauben, mit Spitzentechnik allein ein schönes Bild der Kathedrale zu fotografieren.

Für mich ist es am Ende eine Preisfrage. Es gibt z.B. eine Pentax K10D oder eine Pentax K100D mit Objektiv schon für etwa 100 Euro. Gebrauchte Objektive sind schon für weniger als 100 Euro zu bekommen. Damit gelingen sicher ein Einstieg in die Fotografie und wunderschöne Fotos. Wenn der Einstieg gemacht ist, kann man informiert und mit Erfahrung die Systemfrage klären und nach Herzenslust Geld ausgeben. Natürlich gibt es diejenigen, bei denen es auf einen Tausender mehr oder weniger nicht ankommt. Die gehen halt einen anderen Weg.

Es gibt noch diejenigen, für die feststeht, dass sie ein sehr spezielles fotografisches Gebiet bearbeiten wollen (z.B. Makro-Aufnahmen von Insektenköpfen oder Astro-Fotografie oder Wildtier-Fotografie). Die sollten sich dann bei den Fachleuten für dieses Gebiet umhören.

Wer heute eine der aktuellen Kameras von Canon, Nikon, Sony, Panasonic/Olympus oder Pentax kauft, macht sicher nichts falsch. Alle haben ihre Vor- und Nachteile, doch mit allen kann man hervorragend fotografieren und schöne Bilder machen. Die Fan-Boys der jeweiligen Marken und Systeme preisen ihre jeweiligen Systeme an. Das ist dann alles nicht wirklich falsch. Doch es gibt am Ende keine objektiven Kriterien. Die persönlichen Kriterien kann man aber erst beurteilen, wenn man selbst Erfahrung hat. Deshalb mein Rat an absolute Anfänger: Entweder möglichst preiswert starten (deutlich unter 500 Euro für Kamera und Objektive) und später richtig Geld ausgeben oder gleich richtig viel Geld ausgeben. Dann ist es aber gleichgültig, was man kauft. Entweder es passt, oder es landet bei Ebay.

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